Neuerdings lahmt er wenn wir spazieren gehen, aber das legt sich meist nach kurzer Zeit …

Dieser harmlos klingende Satz fällt häufig im Gespräch mit den Besitzern älterer Hunde. Oft ist dieses Phänomen nicht einmal der eigentliche Vorstellungsgrund beim Tierarzt, da ein kurzes „Lahmen“ nicht als schlimm erachtet wird.

Und doch ist diese Symptomatik typisch für eine beginnende Arthrose und damit für eine langsam voranschreitende Erkrankung des Bewegungsapparates.

Arthrose – was versteht man darunter?

Unter Arthrose versteht man den Verschleiß der Gelenke und ist charakterisiert durch einen Abschliff von Knorpel mit Abrieb von Partikeln, Erosionen, schmerzhafter Synovialitis, einer Gelenkkapselfibrose sowie sekundären Knochenwucherungen (Osteophyten).

Hierbei wird die eigentliche Kontaktfläche zweier Knochen, die dünne Gelenkknorpelschicht, durch äußere oder innere Umstände geschädigt. Dazu zählen Infektionen, Traumata, Fehlbelastungen, falsche Ernährung, spezielle Medikamente, Fehlbildungen oder eine genetische Prädisposition.

Es entstehen Unebenheiten, Auswüchse oder regelrechte Gelenkmäuse, die zu weiteren Gelenkschäden führen. Gleichzeitig führen die Schädigungen zu einer reduzierten Bildung von Synovia, der Gelenkschmiere.

Nicht verwechseln – Nomenklatur Arthrose

Die Namensgebung einer Arthrose ist etwas uneinheitlich. So spricht man im deutschen Raum von Arthrosen als „über das normale Maß hinausgehende Gelenkabnutzung“. Da hierbei auch Entzündungsreaktionen entstehen, wird im englischen Sprachraum von Osteoarthritis gesprochen.

Diese ist hingegen nicht zu verwechseln mit einer Arthritis, also einer Gelenkentzündung durch spezifische Ursachen (z.B. durch Borreliose). Eine Sonderform stellt die Auto-immun-bedingte Arthritis dar: diese wird als Rheumatoide Arthritis bezeichnet.

Dadurch treten die geschädigten Kontaktflächen des Gelenks noch mehr in Kontakt.

Verlauf der Arthrose beim Hund

Kommen diese Gelenkflächen dann nach Ende einer Ruhepause wieder in Bewegung, sind diese Schwellungen und Erosionen sehr schmerzhaft: es entsteht die typische Morgensteifheit, welche auch der Auslöser für den Einleitungssatz ist.

Weitere Schäden sind die Folge. Der Körper reagiert mit einer Entzündung und der Freisetzung von Radikalen und Schmerzstoffen auf die Deformationen.

Dies führt zu den klassischen Gelenkschmerzen bei Arthrosen und einer Schädigung der Gelenkkapsel. Durch diese Probleme kommt es zu einem deutlich gesteigerten Bedarf an Mikronährstoffen, Vitaminen und Spurenelementen im Gelenk.

Ebenfalls werden vermehrt Knorpelgrundsubstanzen (Hyaluronsäure, Glucosamin, GAG) und Aminosäuren benötigt.

Anatomie des Knorpels

Gelenkknorpel kleidet die Knochen im Gelenkbereich aus. Er dient als Pufferzone und Gleitschicht und stellt zusammen mit der Gelenkkapsel und den Gelenkbändern den wohl wichtigsten Teil eines jeden Gelenks dar.

Hyaliner Knorpel ist außerordentlich elastisch und besteht zu 95 Prozent aus der sogenannten ECM. Diese Extrazelluläre Knorpelmatrix ist aus Wasser, Kollagen und Proteoglykanen zusammengesetzt, nur fünf Prozent des Knorpels bestehen aus den eigentlichen Knorpelzellen (Chondrozyten).

Das Kollagennetz besteht überwiegend aus Typ-II-Kollagen. Sowohl das Kollagennetzwerk als auch die Proteoglykane werden von Chondrozyten gebildet, deshalb sind diese auch von enormer Bedeutung für die Gelenkgesundheit.

Leider können sich Knorpelzellen kaum regenerieren. Die Nährstoffversorgung des Gelenks wird durch die permanente Be- und Entlastung des Gelenkknorpels bewirkt: dadurch entsteht ein biologischer Pump-Mechanismus, der die Knorpelernährung gewährleistet. Der Transport von Nährstoffen erfolgt dann mittels Diffusion rein passiv durch die Matrix.

Auch deshalb ist kontinuierliche Bewegung so wichtig: Ohne permanente Belastungen kommt es zu einer Nährstoffunterversorgung und weiterem Absterben von Knorpelzellen – ein Teufelskreis entsteht: die Schmerzen nehmen zu, der Bewegungsdrang weiter ab. Durch diesen Mechanismus zeigt sich auch die Bedeutung einer frühzeitigen Behandlung von Arthrosen.

Der Gelenkknorpel selbst ist interessanterweise nicht von einem Nervengeflecht durchzogen und kann somit nicht schmerzhaft sein: Nervenfasern und Schmerzrezeptoren sitzen nur in der Synoviamembran und im subchondralen Knochen, also im Bereich der Gelenkkapsel und im Bereich zwischen Knochen und Gelenkfläche: Schmerzen entstehen somit erst bei größeren Problemen.

Welche Symptome sind typisch für Arthrose beim Hund

Die typischen Symptome sind Lahmheit an ein oder mehreren Gliedmaßen. Diese zeigen sich zu Beginn nur nach längeren Ruhephasen oder bei Wetterumschwüngen bzw. an kalten und feuchten Tagen.

(Video-Beispiel 01)

Nach und nach steigern sich die Symptome jedoch und es entsteht eine mehr oder weniger starke Lahmheit. Die betroffenen Gelenke können vermehrt gefüllt sein, sind schmerzhaft und warm. Häufig wird eine Arthrose auch als Nebenbefund bei Röntgenaufnahmen diagnostiziert.

(Video-Beispiel 02)

Welche Behandlungsmöglichkeit gibt es für Hunde mit Arthrose?

Generell kann zwischen einer konservativen und einer operativen Therapie unterschieden werden.

Die konservative Therapie besteht aus Chondroprotektiva, welche die bestehende Knorpelgrundsubstanz schützen sollen (v.a. Glucosamin, Hyaluronsäure, …), der Zufuhr von wichtigen Nährstoffen (vor allem B-Vitamine, Mangan, Selen, …) und Entzündungshemmern.

Diese können sowohl auf natürlicher Basis (Teufelskralle, Weidenrinde, …) als auch chemisch definiert sein: Meloxicam, Carprofen, Coxibe oder Glucokortikoide. Diese Entzündungshemmer sind dann natürlich verschreibungspflichtig.

Insbesondere Glucokortikoide, also Cortison, ist umstritten: Zwar wirken diese Mittel kurzfristig recht gut und lindern die Symptome, scheinen aber ein Fortschreiten der Knorpelzerstörung zu beeinflussen. Aus diesem Grund sollte der Einsatz gut überlegt werden.

Behandlungsmöglichkeiten für Hunde mit Artrose

Die operative Therapie empfiehlt sich vor allem bei einer Arthrose, die nur ein oder zwei Gelenke umfasst. Hierbei kann mit Endoprothesen (bei Hüft- oder Ellbogenarthrosen) gearbeitet werden, bei kleineren Hunden mit weniger als 15-20 kg kann sogar eine komplette Gelenksrevision erfolgen (Femorkopfhals-Resektion).

Chirurgisch lässt sich auch das Hüftgelenk denervieren (Durchtrennung von Schmerznerven). Eine gezielte Bestrahlung betroffener Gelenke scheint ebenfalls gute Erfolge zu bieten.

Minimalinvasiv können größere Gelenke mittels Arthroskopie sondiert und behandelt werden. Hierbei werden raue Flächen geglättet („shaving“) und größere Gelenkmäuse entfernt.

Idealerweise müssen betroffene Hunde keine Treppen steigen, das Laufen (v.a. Fahrrad fahren) und Springen auf harten Böden sollte unterbleiben. Gleichzeitig sollten Hunde mit Arthrose Muskeln aufbauen oder zumindest erhalten, um die betroffenen Gelenke zu stützen. Schwimmen bzw. eine gezielte Physiotherapie mit oder ohne Einsatz von Wasserlaufbändern ist empfehlenswert.

Behnadlung mit Wasserlaufbend

Zusätzlich sollte die Fütterung angepasst und ein eventuell bestehendes Übergewicht reduziert werden. Das Futter sollte für eine optimale Ausrichtung sehr viele Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA (Eicosapentaensäure) enthalten. Diese kann auch in konzentrierter Form als Ergänzungsfuttermittel zugeführt werden.

Die Liege- und Schlafplätze der Tiere sollten den Umständen angepasst werden. Die Anschaffung eines orthopädischen Hundebettes lohnt sich auf jeden Fall. Wärme ist bei Arthrosen wichtig, ein Hundebett mit Rand schützt zudem vor Zugluft und die speziell konzipierte Polsterung stützt den Bewegungsapparat.

Generell kommt eine altersbedingte Arthrose bei allen Rassen vor. Da aber viele Probleme des Bewegungsapparates zu einer sekundären Arthrose führen können, sind natürlich größere Hunderassen häufiger betroffen.

Auslöser von Arthrosen

Die meisten Arthrosen, die in der täglichen Praxis gefunden werden, sind sekundäre Arthosen – eine andere Primärursache ist der Auslöser. Neben den altersbedingten Arthrosen gibt es diverse Erkrankungen, die das Auftreten einer Arthrose begünstigen können. Zu den häufigsten dieser Erkrankungen zählen die HD (Hüftdysplasie), ED (Ellbogendysplasie) sowie Kreuzbandrisse.

Diese sollen im Folgenden genauer erläutert werden.

Hüftdysplasie (HD)

Unter einer Hüftdysplasie versteht man die röntgenologisch sichtbare Fehlstellung oder Fehlbildung eines oder beider Hüftgelenke.

Welche Ursachen hat eine HD?
Eine HD muss nicht angeboren sein, sie kann auch über die Zeit erworben werden. Falsche Fütterung in der Wachstumsphase, Traumata oder Überlastungen können die Entstehung einer HD fördern. Häufig ist eine HD genetisch bedingt, weshalb viele Zuchtverbände routinemäßig Untersuchungen auf HD durchführen lassen.

Wie wird die Diagnose HD gestellt?
Schmerzen, Abwehrbewegungen oder eine ungenügende Beweglichkeit der Hüftgelenke bei der orthopädischen Untersuchung sind ein erster Hinweis. DerOrtolani-Test kann positiv sein. Die genaue Diagnose erfolgt durch eine Röntgenuntersuchung. Für eine auswertbare Röntgenaufnahme muss der Hund hierbei sediert werden.

Ausgewertet werden verschiedene Kriterien, insbesondere das Größen- und Winkelverhältnis von linker und rechter Seite, der Pfannenrandwinkel (Norberg-Winkel), die Ausbildung des Oberschenkelhalses und vor allem die Entwicklung des eigentlichen Gelenkes. Von HD spricht man wenn ein oder mehrere Kriterien nicht der Norm entsprechen.

So erscheint eine HD zu Beginn relativ harmlos zu sein, vor allem weil man einem jungen Hund die Dysplasie nicht anmerkt. Erst später (über Jahre hinweg) entwickelt sich aus der HD eine Arthrose.

Röntgenbild eines gesunden Hundes ohne Gelenkprobleme

Abb. 1: GESUNDER HUND, ca. 1,5 Jahre alt

Röntgenbild Hund Hinterläufe HD Arthrosegefahr

Abb. 2: HOCHGRADIGE HÜFTDYSPLASIE auf der linken Seite mit Sub-luxation und Osteophyten. Hund, ca. 5 Jahre

Wie kann eine HD behandelt werden?
Ist es erst einmal zu einer diagnostizierbaren HD gekommen muss versucht werden eine Verschlimmerung zu verhindern. Meistens wird die Fütterung angepasst, die Bewegung wird umgestellt (weniger Hüpfen und Springen, keine Treppen, keine Impuls-Bewegungen) und eine ergänzende Fütterung verschrieben.

Durch die veränderte Biomechanik einer betroffenen Hüfte erhöht sich auch der Bedarf an Mikronährstoffen wie B-Vitaminen, Mangan und Selen. Durch Chondroprotektiva, insbesondere Glucosamin, MSM und Hyaluronsäure, wird versucht den Gelenkknorpel der Hüfte möglichst lange zu erhalten.

Entzündungsreaktionen können durch pflanzliche Heilkräuter (Teufelskralle, Weidenrinde, etc.) oder Eicosapentaensäure (EPA) gebessert werden. Die Fütterung sollte aus diesem Grund viele Omega-3-Fettsäuren enthalten. Orthopädische Liegeflächen unterstützen die belasteten Gelenke des Hundes und sollten vorrangig verwendet werden.

Alternativ zu diesen konservativen Therapieformen kann bei besonders schweren Fällen auch operativ behandelt werden. Heranwachsende Hunde können durch eine Beckenschwenkung – zweifach (DBO) oder dreifach (TBO) – behandelt werden.

Für ausgewachsene, große Hunde ist sogar eine Totalendoprothese möglich, die leider sehr teuer ist. Kleinere Hunde können mittels Femorkopfhalsresektion behandelt werden. Umstrittene Techniken mit mangelhaften Ergebnissen sind die Denervation des Hüftgelenks sowie Goldimplantationen. Auch homöopathische Behandlungen haben keinen nachgewiesenen Nutzen.

Ellbogendysplasie (ED)

Die Ellbogendysplasie, kurz ED, beschreibt einen angeborenen Erkrankungskomplex meist größerer Hunderassen. Das Resultat ist stets eine Arthrose im Ellbogengelenk.

Aufbau ED
Das Ellbogengelenk setzt sich aus Oberarmknochen (Humerus), Elle (Ulna) und Speiche (Radius) zusammen. Dabei bilden Elle und Speiche gemeinsam dieKontaktfläche zum Gelenkknorpel des Oberarmknochens. Elle und Speiche sind zudem durch eine Bindegewebsplatte flexibel aber gleichzeitig fest mit einander verbunden. Durch die Komplexität kann es zu verschiedenen Problemen kommen, die in einer ED enden können

Röntgenbild Ellenbogen eines gesunden Hundes

Abb. 2: Aufnahme von vorne (a/p

Röntgenbild eines gesunden Hundes, Ellenbogen seitlich

Abb. 1: seitliche Aufnahme (l/l

Wachstumsstörung: Verzögert sich das Wachstum von Elle oder Speiche kommt es zu einer Stufenbildung im Gelenk. Diese Stufe führtlangfristig zu einer Arthrosebildung, da der Gelenkknorpel des Oberarms „springt“.

Fragmentierung des Processus coronoideus (FPC): Hierbei handelt es sich um einen kleinen Knochenfortsatz der Elle, welcher sich lösen und als freier Körper („Gelenkmaus“) im Ellbogen schwere Schäden verursachen kann.

Osteochondrosis dissecans (OCD): Die OCD bezeichnet eine Knorpelablösung am Oberarmknochen. Dies führt zu Schmerzen und Arthrosen im Gelenk durch ausgeprägte Nekrotisierungen.

Isolierter Processus anconaeus (IPA): Der Ellbogenfortsatz der Elle verknöchert beim IPA nicht, sondern kann, ähnlich wie ein FPC, durch seine Beweglichkeit Schäden anrichten. Anders als beim FPC sollte der IPA durch einen chirurgischen Eingriff nicht entfernt, sondern befestigt werden.

Zur Diagnose einer ED müssen Röntgenbilder (idealerweise in Sedation) angefertigt werden. Manchmal ist sogar eine Computertomographie (CT) nötig. Die beiden Röntgenbilder zeigen das gesunde Ellbogengelenk eines etwa zweijährigen Hundes:

Wie kann eine ED behandelt werden?
Ist eine ED-Form diagnostiziert, kann dem Hund oft durch einen minimalinvasiven Eingriff (Arthroskopie) geholfen werden. Hierbei wird der Defekt soweit wie möglich behoben bzw. freischwebende Gelenkkörper entfernt.

Röntgenbild Hund mit Arthrose Ellenbogen seitlich

Abb. 3: seitliche Aufnahme einer Ellbogenarthrose in Folge eines unbehandelten IPA

In seltenen Fällen ist jedoch eine konservative Behandlung mit einem chirurgischen Eingriff notwendig. Der Körper benötigt beim Bestehen einer ED, nach arthroskopischen Eingriffen oder auch nach klassischen Operationen eine vielfache Menge an Nährstoffen  für die Gesundung des Ellbogengelenks.

Chondroprotektiva, insbesondere Glucosamin, MSM und Hyaluronsäure, sollten lebenslang zugefüttert werden. Viel Omega-3-Fettsäuren im Futter, vor allem Eicosapentaensäure (EPA), soll helfen die bereits chronischen Entzündungsreaktionen im Gelenk zu reduzieren. Orthopädische Hundebetten und Polster sind sehr hilfreich bei der Minimierung von Belastungen für die betroffenen Gelenke.

Wird eine ED zu spät oder überhaupt nicht behandelt kommt es zu teils gravierenden Ellbogenarthrosen mit teilweise dramatischen Verläufen.

Kreuzbandriss

Der Kreuzbandriss des Hundes stellt eine gravierende orthopädische Erkrankung dar. Ursache ist fast immer ein Trauma (klassischer Vorbericht ist das weglaufende Kaninchen und der es jagende Hund, der humpelnd zurück kommt), wobei eine Prädisposition bei betroffenen Tieren feststellbar ist, auch auf der anderen Seite einen Kreuzbandriss zu erwerben. Ob dies an einer generellen Bandschwäche oder einer resultierenden Überlastung nach der ersten Ruptur liegt, ist nicht endgültig geklärt. Physiologisch übernehmen die Kreuzbänder (das vordere und das hintere Kreuzband) die Aufgabe, eine Verschiebung von Ober- und Unterschenkel in Richtung der Bewegung zu verhindern. Ist diese Aufgabe durch das Zerreißen eines oder beider Kreuzbänder gestört ist das normale Gangbild stark beeinträchtigt.

Welche Symptome zeigt ein Kreuzbandes?
Betroffene Hunde zeigen eine akute Lahmheit. Bei Manipulation im Kniebereich, insbesondere der Kompression oder der Verschiebung von Unter- und Oberschenkel gegeneinander reagieren Tiere mit Schmerzen. Die Lahmheit bessert sich kaum oder gar nicht auf die Gabe von Schmerzmitteln.

Wie wird die Diagnose Kreuzbandriss gestellt?
Die Diagnose erfolgt durch das Auslösen einer „Schublade“, der Verschiebung von Unter- gegen Oberschenkel während der klinischen Untersuchung oder in Sedation. Auch beim Röntgen kann ein Kreuzbandriss durch die Verschiebung der Gelenkfläche diagnostiziert werden. Verkompliziert wird der Kreuzbandriss häufig durch ein gleichzeitig bestehendes Meniskusproblem, so dass in manchen Fällen eine zusätzliche CT- oder MRT-Untersuchung erfolgen muss.

Wie kann ein Kreuzbandriss behandelt werden?
Zur Therapie existieren viele verschiedene Ansichten, wobei in Tierärztekreisen eine operative Therapie bevorzugt wird.

Die konservative Therapie beinhaltet das Ruhighalten und strikten Leinenzwang über mindestens drei Monate, begleitet von einer dreiwöchigen Behandlung mit Entzündungshemmern. Es sollten unbedingt Chondroprotektiva wie MSM und Glucosamin zugefüttert werden, um die Arthroseentwicklung so gering wie möglich zu halten.

Die Gelenkkapsel versteift und fibrosiert um die Aufgabe des Kreuzbandes zu übernehmen; häufig zeigen betroffene Hunde jedoch lebenslang ein verändertes Bewegungsbild.

Hund nach OP

Für die operative Therapie müssen je nach Operationsaufwand (Kreuzbandoperation) mit zugehörigen Medikamenten 1.000 € bis 2.500 € einkalkuliert werden. Verschiedene Methoden stehen zur Verfügung. Unabhängig von der Methode liegt die Erfolgsrate bei 70% bis 80%.

Es gilt der Grundsatz, dass ein erfahrener Chirurg mit einfacher Methode besser ist als ein unerfahrener Chirurg mit komplizierter Methode. Eine Überprüfung der Menisken ist bei einer Operation vorteilhaft, insbesondere wenn dies nicht-invasiv mittels MRT oder minimal-invasiv mittels Arthroskopie erfolgt.

  • Kapselraffung nach Meutsteege: Hierbei wird die Gelenkkapsel so gerafft, dass diese die Funktion des Kreuzbandes übernimmt.
  • Bandersatz nach Flo oder modifiziert: Hierbei wird ein Sehnenteil oder ein künstliches Band von außen so platziert, dass es die Aufgabe der Kreuzbänder ersetzt (z.B. Arthrex-Methode).
  • TPLO (Tibia Plateau Levelling Osteotomie): Durch chirurgische Veränderung des Gelenkwinkels des Knies (des sogenannten Tibiaplateaus) wird die Funktion der Kreuzbänder verzichtbar.
  • TTA (Tuberositas Tibiae Advancement): Durch chirurgische Veränderung des Ansatzbereiches der Patellasehne nach vorne (cranial) erreicht man ähnlich wie bei der TPLO eine Veränderung der Richtung der Krafteinwirkung macht die Kreuzbänder dadurch überflüssig.
  • TTA rapid: eine modifizierte „Mischung“ aus TPLO und TTA: Hierbei wird der craniale Teil des Schienbeines durch einsetzen eines Implantats („Cage“) abgespreizt und verschraubt. Auch hier macht eine Veränderung der Biomechanik die Kreuzbänder überflüssig.

Egal welche Therapieform gewählt wird: Stets ist der Einsatz von Chondroprotektiva angezeigt, da immer eine Arthrose und eine Kapselverletzung entstehen.

Wichtig bei der unterstützenden Fütterung sind MSM zur Stärkung von Gelenkkapsel und Bindegewebe, Glucosamin, Grünlippmuschelextrakt und Hyaluronsäure zur Förderung der Gelenkgesundheit sowie ausreichend Vitamine und Spurenelemente für eine optimale Regeneration des Organismus.

Herzlichst

Dr. med. vet. Lars Meyer

Praktischer Tierarzt und Inhaber der Firma FürDeinTier

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